MOUBSEN

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Der Tanz im Schatten: Moubsen x Carhartt WIP

Wer sich mit „Streetwear“ auseinandersetzt und Carhartt nicht kennt, kann sich gleich von einer Klippe runterschubsen lassen. Es ist fast dasselbe, wie bei Dragonball Z, den renommierten Z-Fighter „Son Goku“ nicht zu kennen, oder selbst ohne Erfahrung in dem Comic-Book Genre „Clark Kent aka Superman“, aus Superman nicht zu kennen. Das ist einfach Basiswissen, was jeder Streetwear/Fashion -Enthusiast aus dem Stehgreif wissen muss. Ich meine, selbst ich weiß es, und so Fashion bin ich doch gar nicht.

1889 erweckte Hamilton Carhartt die gleichnamige Marke Carhartt ins Leben. Der Schwerpunkt auf den er sich spezialisiert hatte, war das herstellen von robuster Arbeitsbekleidung, die Bauarbeiter jeglicher Art vor gefährlichen Gegenständen schützen sollte. Abgesehen von diesem ganzen modebewussten auftreten, sind Klamotten ausschließlich zum Schutz der Menschen da. Dies ist die Primäre Funktion von Kleidung.

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Hamilton Carhartt machte sich dies zu Nutze und fing an mit vier weiteren Mitarbeitern in Detroit das Fundament für Carhartt zu legen. Sie ahnten gar nicht, was für ein Monster sie erschufen. Carhartt begann mit der Produktion von Cotton Duck Overalls, die aus schwergewebtem Canvas bestanden. Canvas hat die Eigenschaft, dass es sehr strapazierfähig und robust ist. Es lässt sich außerdem schwer verformen, was uns gleich zum negativen Aspekt kommen lässt. Canvas ist sehr steif und unelastisch. Erst wenn man es eine gewissen Zeit einträgt, wird es angenehmer, aber auch nur minimal.

Das „Industriegewerkschafts-Branding“, welches in jedem Overall vernähet wurde, war die Garantie dafür, das Carhartt ein Produkt von unglaublicher Qualität erschuf und das schätzten die meisten Menschen aus der einfachen Arbeiterklasse. Es hieß: Wer bei Carhartt einkauft, der konnte sich darauf verlassen, dass das Team mit hervorragenden Materialien arbeitete, eine organisierte gewerkschaftliche Organisation unterstützt wurde, die Mitarbeiter Fair behandelte und gute Konditionen angeboten hatte. Mit diesem Grundpfeiler, wurde der Ruf der Marke gefestigt.

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1994 wagte„Edwin Faeh“ sich in neue Gewässer. Mit seinem Projekt „All American Project“ fädelte er einen schlauen Schachzug ein, indem er es erlaubte, die authentisch amerikanische Marke in Europa zu stationieren, um von dort aus Carhartt in Europa bekannt zu machen. Carhartt war zu dieser Zeit lediglich in den Staaten populär. Mit diesem Vorgehen hatte er die Möglichkeit eine riesige Reichweite zu generieren. Dem europäischen Volk wurden Carhartt-Produkte dessen Produktionsstätten einst nur in Amerika verweilten, einfacher zugänglich gemacht, indem man diese nach Europa verlagerte.

Nach einer gewissen Zeit wurden spezielle Stils und Farben entworfen, die es nur in der westlichen Welt gab. Der ausgeprägte amerikanische Stil war von dort an ein Relikt der Zeit, welches schon längst in Vergessenheit geriet. Von nun an war es notwendig sich einem neuen Terrains anzupassen, sich nach den Bedürfnissen der Europäer zu orientieren und diese auch in die Realität umzusetzen. Das wurde natürlich im Handumdrehen durchgesetzt. Die fertigen Produkte wurden in Skate-Shops sowie in unabhängigen Einzelhandelsgeschäften verkauft. Das sind die Carhartt WIP-Teile so wie wir sie kennen und lieben, die einst Ediwn Feah von Amerika nach Europa manövrierte, der somit vom einfachen Mann zum Carhartt WIP (Work In Progress) Eigentümer aufstieg.

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Aus einer Laune heraus entwickelte Carhartt WIP Interesse an Subkulturen und unterstütze somit in den den frühen 90er unabhängige Street Art-Künstler, Musiker und Skater. Das war die ultimative Marketingstrategie und der perfekte Weg sich als ein Streetwear-Label zu etablieren. Die Marke die ausschließlich nur Arbeitsbekleidung herstellte konzentrierten sich darauf, ihre Ideen in die Musik- und Kunstszene zu investieren, um einen gezielten Streukreis zu erreichen.

Mit dem Vermächtnis von Hamliton, der es darauf anlegte strapazierfähige Arbeitsbekleidung herzustellen und der Szene-Etablierung, stieg Carhartt an die Spitze der Straßen- und Arbeitsbekleidung. Kollaborationen mit dem Streetwear-Giganten Stüssy sowie der bereits etablierten Marke Vans und Mahogani Music haben ihren Teil ebenfalls dazu beigetragen, um den Namen Carhartt ein festes Standbein in der Szene zu bieten.

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Um beiden Seiten der Medaille gerecht zu werden, der Arbeitsbekleidungsmedaille sowie, die Streetwearmedaille entschied ich mich für mein Carhartt-Outfit, für die „Detroit Jacket“ und die „Double Knee Pant“. Die beiden Pieces sind ein Dress, mit „Dress“ meine ich einen Zweiteiler, der als Einteiler wirkt. Wie ein Tracksuit eben. Wenn man es morgen früh eilig hat und dennoch gut aussehen möchte, greift man zu dem Zweiteiler, der als ein Einteiler dient. Um die ehemalige Carhartt, Converse Kollaboration nochmal aufzugreifen, kombinierte ich den Canvas-Tracksuit mit dem Converse „One Star“. Mit dem „Kangool-Buckethat“ griff ich nach den frühen 90ern, wo die gesamte Streetwear-Kultur seinen Ursprung hatte.

Beide Pieces sind ebenfalls aus Canvas; also aus dem Material, welches Hamiltons Expertise widerspiegelte und schützende „Workwear“ für die einfach gestrickte Arbeiterklasse produzierte. Mit seinem Solidaritätsgefühl für seine Mitmenschen entwickelte er eine Avantgarde, die letztendlich nicht nur für die Arbeit gedacht war, sondern auch Straßentauglich ist. Ich werde mit meinen Carhartt-Pieces niemals auf einem Bauwerk arbeiten, dafür sind sie mir viel zu schade, aber das Vermächtnis welches er uns in Form von Kleidung in die Wiege legte, schlummert in jedem einzelnen Carhartt-Piece, das wir heute kennen.

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Fotos: Kaj Lena

In Kooperation mit Carhartt WIP

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