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Alles Schall und Rauch? – Die Ignoranz der afrikanischen Community

Was sollten die Ziele der schwarzen Community sein? Wie entwickelt sich die schwarze Jugend in Deutschland?

Anfang der 1990 Jahre, kurz nach dem Ende des Kalten Krieges, migrierten viele Afrikaner nach Deutschland. Zu dieser Generation von Migranten gehörten auch meine Eltern. Der Rassismus war damals sehr präsent und sehr aggressiv: Schwarz zu sein war nicht damit konnotiert, cool zu sein. Der primäre Kampf unserer Eltern war es, als Schwarze anerkannt zu werden und sich ein Platz in der Gesellschaft zu erstreiten. Heutzutage gehören wir zu einer Generation, die in Deutschland geboren und aufgewachsen ist. Doch was ist unsere Aufgabe? Der erste Punkt ist: Seid Stolz darauf, schwarz zu sein. Sich selbst zu lieben und zu respektieren heißt nicht andere zu hassen. Es ist notwendig seine Identität zu kennen und dafür ist es wichtig, dass wir Schwarzen uns mit unserer wahren Geschichte auseinandersetzen.

Zum Punkt Geschichte – wer erzählt eigentlich die afrikanische Geschichte? Die Entitäten, die unsere Historie schreiben, bestimmen insgeheim auch wer wir sind. Wie es auch ein Theodore Roosevelt gesagt hat: „Umso mehr wir über unsere Vergangenheit wissen, umso mehr können wir uns auf unsere Zukunft vorbereiten“.

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Wenn ich z.B. die Geschichte von meiner Familie wissen möchte, dann frage ich doch nicht meine Nachbarn! Wir Afrikaner müssen unsere Story selbst erzählen, und dabei könnten und sollten wir uns auf erfolgreiche schwarze Historiker stützen, wie Cheikh Anta Diop. Doch ein Cheikh Anta Diop gilt nicht als Vorbild für schwarze Jugendliche. Viel mehr wird zu einem Drake oder einem Lebron James hinaufgesehen. Ein Dunk von Lebron James löst zwar eine postitive Stimmung bei einem Basketball-Fan aus, doch ein Dunk bringt unsere Kommunität und uns als Community nicht weiter. Unsere Verantwortung findet sich nicht auf ein Basketballfeld. Ein Musikvideo von Drake sorgt auch nicht dafür, dass wir Schwarze uns selbst lieben und respektieren.

Heutzutage steht das schwarz sein für eine gewisse „Coolness“, man sieht glücklicherweise immer mehr Schwarze im Fernsehen. Immer mehr Schwarze, die auch im Model-Bereich tätig sind, zeigen, dass schwarz sein in der heutigen Gesellschaft auch ein gewisses Schönheitsideal repräsentiert. In der heutigen Zeit haben wir immer mehr Schwarze, die im Sport- und im Musik-Business sehr erfolgreich sind, und sich dadurch einen bestimmten Lebensstandard finanzieren können. Doch schwarz sein sollte nicht nur heißen, dass durch Sport oder Musik für Unterhaltung gesorgt wird, sondern es sollte heißen sich Gedanken zu machen über das Wohlsein und die Zukunft der Community als Ganzes. Schwarz sein sollte sich nicht auf das Durag tragen oder auf das Tanzen reduzieren. Dieses Bild, was wir Schwarzen leider selbst von uns haben, da es leider immer noch Individuen unter uns gibt gibt, die an Minderheitskomplexen leiden, welche aus dem Jahrzehnte andauerndem systematischen Rassismus erwachsen sind und in der Gesellschaft nach Anerkennung suchen. Gerade nach der langen Erniedrigung, die unseren Vorfahren widerfahren ist, ist es wichtig, dass unsere Community aufsteht und sich selbst anerkennt, anstatt die Wertschätzung bei anderen zu suchen. Wir müssen als Schwarze niemandem beweisen, dass wir eine Geschichte haben, die sich nicht nur auf Kolonialzeit und Sklaverei reduziert, wir müssen niemanden beweisen, das schwarz zu sein schön ist. Wir Schwarzen müssen uns nur vor uns selbst beweisen und untereinander gleichwertig wertschätzen.

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Ein wichtiges Thema ist auch die Bildung, die durch die Schule vermittelt wird. Aufgrund dessen, dass sie für unsere Belange oft unzureichend ist, ist die eigenständige Bildung essenziell. Man muss wissen, wer man ist und woher man kommt, um nicht einer Identitätskrise ausgesetzt zu werden. Gerade im jungen Alter müssen wir dafür sorgen, dass die nächste Generation sich mehr mit Ikonen wie Malcolm X und Patrice Lumumba befassen. Menschen, die ihr Leben geopfert haben für die Interessen und die Repräsentation der Schwarzen. Ich bin nicht beeindruckt, wenn Stephen Curry zwölfmal einen Dreier wirft in einem Spiel. Ich wäre ebenfalls nicht beeindruckt, wenn ein afrikanisches Land die Fußball Weltmeisterschaft zum ersten Mal gewinnen würde. Ich wäre viel mehr beeindruckt und ergriffen, wenn Schwarze ihr Leben darauf fokussieren würden, die Leidenschaft und den Kampf der Gemeinschaft zu vertreten. Die nächsten Generationen müssen in den Spiegel sehen und wissen, dass Schwarze eine gewisse Ästhetik mit sich bringen, aber man dafür auch eine riesige Bürde trägt.

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Fotos: Santi / Text: Nkrumah Mbouguen / Model: Ozias

2 Comments

  • Freddie
    1. August 2019 at 14:47

    Interessante Betrachtungsweise, gerne mehr solcher Artikel!

  • Freddie
    1. August 2019 at 14:50

    Super Artikel. Ich find’s wichtig, dass du Leute aus deiner Community hier regelmäßig zu Wort kommen lässt und lese immer gerne mit.

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