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Hell, heller, am hellsten – Das westliche Schönheitsideal

Ich möchte mich erst einmal bei allen bedanken, die mich nach meinem ersten Beitrag „Die Ignoranz der afrikanischen Community“ unterstützt haben. Ich habe von Werten wie Zusammenhalt und Einigkeit gesprochen und ich habe diese Werte zu 100% von euch zu spüren bekommen. Wenn Regierungen wie die Vereinigten Staaten oder die Europäischen Union in der Lage sind, sich zu vereinen, dann kann unsere Community das eben so. Supportet euch gegenseitig weiter, dadurch gebt ihr einander Kraft und Motivation, um gemeinsam an eure Ziele zu gelangen. Wir müssen nicht immer alle dieselbe Meinung teilen, viel wichtiger ist, dass wir durch das Austauschen von wertvollen Informationen und Diskussionen voneinander lernen.

Das Thema in dieser Kolumne handelt sich darüber, wie das Schönheitsideal innerhalb der deutschen Gesellschaft gesehen wird.
Was bedeutet eigentlich das Schönheitsideal in einer Gesellschaft? Wer definiert das Schönheitsideal in der Gesellschaft?

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Das Schönheitsideal einer Gesellschaft ist eine Vorstellung von Schönheit und Ästhetik in einer Kultur, die sich in der Regel auf das äußere Erscheinungsbild bezieht. Innerhalb eines Landes wird das Schönheitsideal von der Politik, den Medien, vor allem durch soziale Medien geprägt. In Deutschland oder auch in Ländern, in denen nach westlichem Kulturgut gelebt wird, steht das Weiß sein für eine gewisse Ästhetik und hat einen großen Stellenwert. Die westliche Welt repräsentiert das Weiße als schön, während der dunkle Hautton meistens mit negativen Dingen assoziert wird. Dies erklärt wieso schwarze Berühmheiten wie Sammy Sosa ihre hautaufhellenden Produke verwenden, um ihren Melaninhaushalt zu reduzieren. Da der künstlich aufgehellte Teint eine Ausdrucksform dessen ist, was als „schön“ empfunden wird. Dieser Haut-Komplex hat ebenfalls einen historischen Bezug, der sich von Generation zu Generation wie ein Virus in der DNA der Poeple of Colors verankert hat. Damals hat die Hautfarbe zum Teil die finanzielle Situation einer Person wiedergegeben. Die Bauern hatten eine dunkle Haut, da sie dazu verdonnert wurden, die Feldarbeit in der prallen Sonne zu erledigen. Parallel dazu hatten die Haussklaven ein leichteres Leben, und mussten sich um den Haushalt ihrer wohlhabenden Sklaventreiber kümmern. Sie wurden von der Qual verschont, und das erklärt auch, warum der Teint der Haussklaven, um einige Stufen heller war, als der ihrer Kollegen, die sich auf ihrer Plantage den Arsch abschuften mussten.

Das erklärt zum Teil die Minderheitskomplexe, die vor allem bei der jüngeren Generation vertreten ist. Dadurch schleicht mir eine Botschaft in den Kopf, die mir persönlich sehr wichtig ist, „lerne dich selbst zu lieben und wertzuschätzen, um dich als Individuum weiterzuentwickeln, und dein gesamtes Potential anzuerkennen und dies mit offenen Armen anzunehmen und auszuschöpfen“, weil das keiner für dich tun wird. In unserer Kindheit hatten wir alle vielleicht mal die Phase oder haben sie eventuell immer noch, da ein paar Brüder und Schwestern heute immer noch den Wunsch gehabt hätten, den westlichen Look anzunehmen, da es für eine Form des besseren Lebens steht. Das Gelächter, die Angst oder im schlimmsten Fall Mobbing, all das waren Faktoren, die dazu verleiteten, dass man sich als People of Color unsicher in seiner eignen Haut fühlte. Um dieser schrecklichen Erfahrung aus dem Weg zu gehen, versuchte man sich anzupassen. Auch, dass man seine Haare glättete war unabdinglich.

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Wie soll ein Kind sich selbst lieben, wenn er von seinem Umfeld das Gefühl bekommt, nicht akzeptiert zu werden? Jeder von uns hatte als Kind ein Vorbild zu dem er/sie aufgeschaut hat. In meiner Kindheit war es Malcolm X, da er mir das Gefühl von Selbstbewusstsein und Selbstliebe am stärksten vermittelt hat. Neben meinen Eltern gehörte Malcolm X zu der ersten Person, die das Prinzip „Black is Beautiful“ vermittelte, was mich als 12 Jähriger sehr faszinierte. Wie Malcolm X in seiner Rede „who taught you to hate the race that you belong to“ predigte. Wer hat euch beigebracht, euch selbst zu hassen? Eure Nasen, eure in die Wiege gelegten negroiden Züge zu hassen? Das zu hassen, wie Gott euch erschuf.

Meine Antwort auf den Hass ist Selbstliebe. Ich kann euch nur das mitgeben, was mir widerfahren ist, in einer Gesellschaft, in der man als Schwarzer vorwurfsvoll angeschaut wird. Schaut in euren Spiegel und seid stolz auf eure Nasen, Cornrows, Braids und Afros! Black is Beautiful! Seid auf das Stolz, was euch eine höhere Macht mit auf den Weg gab, etwas, was nicht jeder haben kann. Würdigt eure schwarzen Schwestern und Frauen, wie stark und emanzipert sie sind. In der Black History hat womöglich kein Wesen mehr gelitten. Dennoch standen sie aufrecht und haben es mehr als verdient, einen Support zu genießen, der zeigt, wie wertvoll sie sind.
Viele aus der Gemeinschaft haben sich gefreut, als eine schwarze Frau Germanys Next Topmodel gewann. Ich freute mich ebenfalls für sie, jedoch brauchen wir keine inszenierte Entertaiment-Show, die uns vermittelt, welchem Schönheitsideal wir folgen sollten. Wir sind alle ein Spiegelbild unserer Eltern und Vorfahren, und uns selbst zu hassen bedeutet teilweise ein Teil unserer Geschichte zu verschweigen und abzulehnen.

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Dennoch muss ich ebenfalls anerkennen, dass das Prinzip Pro Black immer präsenter wird, immer mehr schwarze Brüder und Schwestern verfassen Arbeiten gegen Rassismus, vor allem in den sozialen Medien sieht man immer mehr Personen, die sich mit der schwarzen Kultur auseinandersetzen. Die Hip-Hop-Kultur hat natürlich auch dazu beigetragen, dass Schwarze über ihr Leben erzählen konnten. Und das unverfälscht und echt.

Zur guter Letzt möchte ich auf eine Frage eingehen, die mir oft gestellt wird: Wie kann man sich als Afrikaner sehen, obwohl man in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, und in den meisten Fällen selten oder noch gar nicht in Afrika war?
Und wie meine Reaktion ist, wenn man Afrika als ein „Land“ anerkennt?

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Um die erste Frage zu beantworten, benutzte ich ein Zitat von Kwame
Nkrumah (Unterstützer und Kämpfer für die Unabhängigkeit von Ghana und weiterer afrikanischer Länder). „Ich bin nicht Afrikaner, weil ich in Afrika geboren bin, sondern ich bin Afrikaner, weil Afrika in mir geboren ist.“ Das Zitat möchte ich persönlich hinzufügen, weil das, was uns verbindet, eine gemeinsame Geschichte ist, egal, wo wir geboren sind, wir bleiben als People of Colors immer zu Afrika gebunden, auch zum Teil durch unsere Eltern, die größtenteils in Afrika aufgewachsen sind, und uns diese Kultur weitervererben. Um eure Identität zu wahren, solltet ihr euch mit der afrikanischen Historie auseinandersetzen.

Das Wort studieren kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie nach etwas zu streben, und es ist an der Zeit, dass die AFRIKANISCHE Generation, die in Deutschland aufgewachsen ist, nach mehr Wissen über Afrikas Kultur und Geschichte strebt, um unsere Beziehung zu Afrika zu stärken und im besten Fall diese Nachricht die nächste Generation zu vermitteln.Ich sehe mich persönlich sogar eher als einen Afrikaner bzw. Afro-Nachfahren der Kameruner, denn die meisten afrikanischen Länder sind ehemalige Kolonien, die während der Kolonial Konferenz in Berlin 1884 von den ehemaligen Großmächten erzwungen dominiert wurden. Wenn wir uns als Unabhängig definieren wollen, dann müssen wir unsere Identität wahren, und nicht die auferlegte Identität anerkennen, die Kolonialmächte uns auferzwungen haben. Natürlich gibt es in Afrika viele Länder, verschiedene Kulturen und Traditionen, dennoch bin ich für die Einigkeit des afrikanischen Kontinents, wie es vom Panafrikanismus vorgesehen wurde.

Mein Schlusswort ist, dass am Ende des Tages, bei jedem von uns rotes Blut durch die Venen fließen. Jedoch lehrt uns die Geschichte, dass unsere ethnischen Gruppierungen dafür sorgen, dass wir auf die unterschiedlichste Art und Weise behandelt werden.
Egal ob ihr Deutscher, Brasilianer, Chinese oder Afrikaner seid – liebt euch so wie ihr erschaffen wurdet, lernt euer Spiegelbild zu akzeptieren und wertzuschätzen, denn das macht euch in meinen tiefen, dunkelbraunen Augen schön.

Text: Nkrumah Mbouguen / Fotos: Ewelina Bialoszweska

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