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Von Randgruppen und Subkulturen: Wie Fred Perry zum Kult wurde

Das Tennis-Label Fred Perry ist eine Marke, an der sich etliche Subkulturen bedienten, und das natürlich unbewusst. Bevor es das Internet gab, mussten sich Brands anderweitige Strategien einfallen lassen, um ihre Klamotten an ihre Käufer zu bringen. Heutzutage gibt es sogenannte „Influencer“ oder „Brand Ambassador“, die genau diesen Job übernehmen.

Fred Perrys Modekarriere startete im Jahr 1947, als seine Tenniskarriere ein Ende nahm. Er stattete ehemalige Kriegsveteranen, die Wimbledon spielten, mit einfachen, weißen Polos aus, die als Erkennungsmerkmal mit dem Lorbeerkranz versehen waren. Der Gründer der britischen Marke verdankt seinen Erfolg nicht nur seinem Talent im Tennis oder dass er Ex-Militärsoldaten mit seinen Polo-Shirts ausstattete; der Erfolg gebührte größtenteils den Mods. Die das Potenzial des Labels erkannten, ohne gestellte Outfit-Bilder im Netz hochladen zu müssen. Auch wenn die Menschen, die in den 50ern lebten, ganz weit davon entfernt waren das Privileg genießen zu können, welches sich das Internet nennt. Nichtsdestotrotz hätten die Modernists uns in die Tonne gehauen mit ihren Fit-Pics.

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Aber wer sind diese besagten „Moderinsts“ über die ich mir die Finger wund schreibe. Und wie trugen sie passiv das gesamte Gewicht einer Marke, die ohne ihre Hilfe vielleicht sogar ausgestorben wäre?

Von Randgruppen und Subkulturen: Wie Fred Perry zum Kult wurde

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Die Modernists, oder ganz einfach gesagt, die Mods, ist eine Jugendbewegung, die Ende der 50er Form annahm. Sie waren die gut gekleideten Jugendlichen und dazu hatten sie Vorlieben für Reggae, Ska, idyllische Bars, und stilvolle Herrenmode. Sie shoppten gerne ihre Hemden und Anzüge in den hiesigen Herrenmodeaustattern Londons. Da war der Griff von einem Fred Perry Hemd gar nicht mal so weit entfernt.

Die Marke mit dem Lorbeerkranz glitt ungewollt in diese Subkultur hinein, wodurch sie im Nachhinein ihren Riesen Erfolg verdankten. Die Mods waren das Rettungsboot für Fred Perry, weil das Geschäft zu der Zeit  nur sehr schleppend lief. Obwohl Fred Perry im Tennis sehr große Erfolge feierte; er gewann das Wimbledon-Turnier, im Tischtennis war er ebenfalls unangefochten und gewann die Tischtennisweltmeisterschaft dreimal infolge. Das Australian, French und US Open gewann er ebenfalls.

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Schade, dass das Glück eines Menschen nicht auf jeden reflektierbar ist. Die Mods hatten wortwörtlich mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen. Zu der Zeit der aufstrebenden Mods gab es noch eine anderweitige Randgruppe, die ihnen das Leben nicht einfach machte. Die Modernists waren den Rockern wie ein Dorn im Auge. Sie machten sich über ihren kompletten Lebensstil lustig; was das mit ihrem schnöseligen Kleidungsstil doch soll, und warum sie mit ihren lächerlichen Rollern die Straßen Englands unsicher machten. Die Rocker waren sehr maskulin, die Mods eben das Gegenteil, da sie eben für das klassische, filigrane standen.

Auch, dass die Mods in den Bars der rivalisierten Rocker eindrungen, war für die Rocker wie ein Schlag ins Gesicht. Somit entstand ein Keil zwischen den beiden Gruppierungen. Es ging so weit, dass sie handgreiflich wurden und aufeinander einschlugen. Das beste Beispiel hierfür geschah 1964, als die Mods und Rocker sich im Sommer an den Südküsten Englands regelmäßig zum Kampf aufforderten. Dabei blieb kein Sandkorn verschont. Es wurden unschuldige Zivilsten in die Kämpfe der konkurrierenden Banden verwickelt, die sich eine einfach schöne Zeit machen wollten, ohne in diverse Faustkämpfe miteinbezogen zu werden. Unzählige dieser Jugendliche wurden für diese Missetaten eingesperrt.

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Für die Boulevardpresse war das gefundenes Fressen. Sie haben die Mods als Staatsfeinde Englands eingestuft. Alles, wofür die Mods standen; die Eleganz, der feine Kleidungsstil, die gute Musik und der unbritische Lebensstil – all das wurde zunichte gemacht. Aber dafür sind die Medien doch da – um Verwirrung zu stiften.

Weil die Aufmerksamkeit primär den Mods galt, und sie überall in den damaligen englischen Medien vertreten waren, spaltete sich die Mod-Bewegung. (Zu einem auf die kommerzielle Art und Weise)
Lifestylemagazine begannen Modetipps für den Style der Mods anzubieten und ihre Looks überall im Fernsehen zu präsentieren. Ein Teil der Mods ging zurück zu ihrer DNA – nämlich der einfachen Arbeiterklasse. Sie inspirierten sich von den ähnlich eingestellten Einwanderern aus der Karibik und kamen so auf ganze neue Musikgeschmäcker. Reggae und Ska waren ganz oben auf der Liste. Die Rude Boys aus Jamaika waren ebenfalls ein großer Einfluss für die Mods, sodass sie nun auch bevorzugten, ihre Haare kurz zu schneiden. Nun entstand aus den Modernists eine neue Jugendbewegung, die sich „Skinhead“ nannte. Die Skins blieben ihren Wurzeln treu und behielten den Geschmack für gute Kleidung bei. Ihre Uniform sah folgendermaßen aus: Harrington Jacken, Fred Perry Shirts, Levi’s 501 Jeans und klassische Doc Martens Stiefel, die jedem ein Begriff sein sollten.

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In den 70ern wichen einige Skinheads vom rechten Pfad ab und schlossen sich rechtsradikalen Organisationen an, wie die National Front. Das führte dazu, dass deutsche Neonazis in den 80ern, den Dresscode der Skinheads für sich entdeckten und ihre Inspiration daraus schöpften. Weswegen der alt bekannte Look der Skins in aller Munde als Nazi-Dresscode abgestempelt wird. Es ist nicht das erste Mal, das Rechtsradikale sich an Traditionen und Looks anderer Kulturen bedienen, und es letztendlich als ihr „Eigen“ betiteln.

Jeder von uns hat schon mal einen klassischen Skinhead in einer Harrington Jacke, Levi’s 501 und Doc Martens gesehen, aber hatte je einer mal den Mut die Person zu fragen, warum sie vom Kleidungsstil her so aussieht, wie sie aussieht? Ich glaube nicht. Da ich jetzt so schön, von Mods auf Skinheads übergegangen bin, und somit leicht vom Thema abgewichen bin, hoffe ich dennoch, dass ich etwas Licht ins Dunkle bringen konnte, und man zu allererst, etwas hinterfragen sollte, bevor man es in eine Schublade schiebt.

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In Kooperation mit Fred Perry, Weekday & Scholar Pub

Fotos: Daniel Mayer / Styling: Moubsen / Models: Moubsen & Ferdi / Creative Direction: Moubsen & Daniel Mayer

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