MOUBSEN

Sans-serif

Aa

Serif

Aa

Font size

+ -

Line height

+ -
Light
Dark
Sepia

Eine Einmann kreativ Armee – Gregory Borlein

In den tiefsten Orten Münchens munkelt man oft, dass München ein Großstadt-Dorf sei und dass man jeden irgendwie kennt. Wenn du eine Person nicht kennst, dann kennt sie spätestens irgendein Freund aus deinem Freundeskreis. Also kennt man die Person letzten Endes doch über sechs Ecken.

Ich bin sehr froh darüber, dass dies bei Gregory nicht der Fall war. Als die Sankofa Crew ihr erstes Atelier mietete und ich im Nachhinein mitzog, lernte ich Gregory kennen. Da im selben Gebäude seine Künstlerwerkstatt lokalisiert ist. Wie genau das Kennenlernen ausgesehen hat, ist nicht mehr in meinen Erinnerungen wiederzufinden, doch auf jeden Fall nicht auf die Art meiner Großstadt-Dorf-Theorie. Das war auch besser so; als ich mich zum ersten Mal in seinem Atelier befand, und seine Kunstwerke sah, war ich mehr als erstaunt. Ich wusste, dass der Kerl es drauf hat. Und, dass ich unbedingt mit ihm zusammen an einem Editorial arbeiten muss.

2_THB3038-als-Smartobjekt-12_THB3034-als-Smartobjekt-12_THB3050-als-Smartobjekt-1

Seine Arbeit löst in mir etwas aus. Um es genauer zu beschreiben, löst sie in mir eine Flamme aus, die nur darauf brennt, meine kreativen Gedankengänge zu visualisieren. Ich weiß nicht wie es bei euch ist, aber wenn ich jemanden kennenlerne, der wirklich kreativ ist, und das bis zum letzten Atemzug auslebt, gibt mir das wirklich einen Riesen Motivationsschub, meinen eigenen Scheiß auf die Kette zu kriegen.

Gregory ist nicht nur ein begabter Maler – er macht auch Musik, schreibt seine eigenen Lyrics und designed hin und wieder mal Klamotten. Er interpretierte den adidas Supercourt nach seiner eigenen Vorstellung. Ohne groß darüber nachzudenken, machte er sich ans Werk und bemalte den Schuh. Er sagte mal zu mir: “Das was Kunst ausmacht, ist die Freiheit, die dahinter steckt und dass es ein völliger Quatsch ist, dass Kunstkritiker oder Menschen irgendetwas hineininterpretieren, was der Künstler nicht mal mit seiner Kunst beabsichtigen wollte. Wenn man Lust hat die Dinge, die einem im Kopf herumspuken zu beleben, dann reicht es aus, wenn man selbst damit anfängt, statt eine Sache komplett tot zu denken. Was das Bild in einer Person hervorbringt ist nämlich das Entscheidende.”

2_THB3135-als-Smartobjekt-12_THB3161-als-Smartobjekt-12_THB3163-als-Smartobjekt-1

Dies sind nicht zu 100% Prozent seine Worte, aber der Inhalt ist zum 1000 Prozent identisch.

Wenn ihr kreativ seid, oder euch kreativ ausleben wollt, dann setzt euch selbst kein Limit. Seid frei, seid ehrlich zu euch selbst und lasst euch von jeder Schaffenskunst inspirieren, die in euch etwas entfacht, auch wenn es nicht zwingend eure Nische ist. Im Endeffekt ist jegliche Kunst dieselbe. Ob Gregory ein Bild malt oder ich ein Editorial realisiere ist völlig egal, weil wir in dem Moment, wo wir etwas erschaffen, alle Ketten von uns ablegen, die die Gesellschaft uns angebunden hat und wir uns einfach nur frei fühlen, mit dem Scheiß den wir lieben.

2_THB3223-als-Smartobjekt-12_THB3251-als-Smartobjekt-12_THB3260-als-Smartobjekt-12_THB3393-als-Smartobjekt-12_THB3179-als-Smartobjekt-12_THB3182-als-Smartobjekt-12_THB3307-als-Smartobjekt-12_THB3327-als-Smartobjekt-12_THB3336-als-Smartobjekt-12_THB3387-als-Smartobjekt-12_THB3392-als-Smartobjekt-12_THB3349-als-Smartobjekt-12_THB3369-als-Smartobjekt-1

Eine Einmann kreativ Armee – Gregory Boerlein

2_THB3100-als-Smartobjekt-1

Wann hast du angefangen dich für Kunst zu interessieren?

Eine Art kreativer Ausdruck war schon immer in mir, später im Leben lernte ich dann, dass es den Begriff Kunst gab mit all seinen dazugehörigen Assoziationen etc. An der Kunstakademie habe ich dass dann alles so richtig gelernt und musste es dann erstmal wieder einiges davon verlernen um weiter arbeiten zu können. Aber ich liebe es jedenfalls trotzdem durch Museen zu rennen.

Hast du einen bestimmten Faden in deiner Kunst, der sich durch deine Kunstwerke zieht?

Ich denke ich habe aufgehört Kunst verstehen zu wollen, es gibt schon einen Faden den ich in meiner Arbeit erkenne aber keinen den ich mir ausgedacht habe. Wenn ich meine Bilder selbst durchschauen kann, wenn sie zu persönlich konstruiert sind, dann interessieren Sie mich nicht mehr, haben keine Kraft. Ich interessiere mich für Alles und möchte das Leben verstehen, habe aber gelernt dass man manchmal alles was man glaubt zu wissen loslassen muss um letztendlich mehr verstehen zu können.

raw00091

Woher beziehst du deine Inspiration?

Meine Inspiration kann von überall her kommen, meistens treten kurze Zeit bevor ich ein neues Bild beginne plötzlich Begebenheiten auf die mich für das nächste Motiv, das Material oder die Technik inspirieren. Und im Prozess des Malens selbst findet sowieso die meiste Auseinandersetzung statt.

Was löst deine Kunst in dir aus?

Das ist unterschiedlich, ich musste zum Beispiel lernen, dass auch Bilder die ich persönlich nicht so sehr mag oder die auf den ersten Blick nicht schön oder angenehm wirken doch gute Bilder sein können. Aber überhaupt erst etwas auslösen können nur Bilder die etwas in mir zurücklassen was ich mit meinem menschlichen Verstand nicht greifen kann, etwas stilles, überirdisches könnte man meinen, es kann sich in den alltäglichsten Motiven verstecken und ich glaube man kann es nur sehen wenn man still genug ist um ins Nichts zu lauschen. Ansonsten sieht man nur was man sieht: ein Ding mit einem Namen und seinem Platz in der Welt.

raw0001raw0010

Was war das letzte Projekt das du zu Ende gebracht hast?

Das letzte Bild was ich fertig gemalt habe war eine Maria. Auf einem Flohmarkt habe ich einer alten Dame so ein Heiligenbildchen abgekauft und wusste gleich dass ich das irgendwann malen werde, nicht weil ich religiös bin aber der Symbolismus hinter den Dingen hat schon immer etwas. Ein Jesus auf dem Leidensweg oder eine trauernde Maria, all dass sind Seiten des Lebens die wir auch kennen und gewisse Assoziationen dazu haben. Das dann malerisch zu interpretieren beziehungsweise umzusetzen fand ich spannend und es hat mir auch einfach persönlich Halt gegeben.

Was willst du den Menschen mit deiner Kunst geben? Oder machst du das nur für dich selbst?

Ich denke meine Kunst ist die ehrlichste Art und Weise wie ich mit der Welt kommunizieren kann. Automatisch machen wir situationsbedingt Kompromisse in unserer Kommunikation mit anderen Menschen aus verschiedenen Gründen. Meine Kunst steht für sich so wie sie ist, vielleicht auch ein bisschen so wie ich bin oder die Welt sehe. Es liegt eigentlich nur am Betrachter wie tief die Unterhaltung mit dem Bild wird. Ich denke ich könnte ein Buch schreiben über all die Erfahrungen die ich in meinem Leben gemacht habe, das wären dann Worte, Geschichten. Ich denke die Bilder drücken den Raum zwischen den Buchstaben aus. Das was man nicht mit Worten erzählen kann oder nicht möchte weil es zu intim ist. Bilder zu malen ist wie sich nackt auf die Straße zu stellen ohne dass es jemand merkt, zumindest meistens.
Ich denke, und erlaube mir nun ausnahmsweise etwas pathetisch zu klingen, letztens Ende möchte ich mein Herz und meine Seele und alles was ich dazwischen noch greifen kann in die Welt tragen, weil es irgendwie das sinnvollste ist was ich mir mit meinem Leben vorstellen kann, in diesem einen Fall durch Malerei.

raw0002raw0017

Wenn du die Möglichkeit hättest, die Welt zu retten, wie würdest du sie retten?

Ich denke die Welt zu retten ist wahrscheinlich das Einzige was mich im Prinzip wirklich interessiert, in diesen Zeiten. Das mag vielleicht unrealistisch erscheinen das als Künstler zu sagen aber es gibt verschiedene Rollen und Wirkungsgrade in einer sich wandelnden Gesellschaft, sichtbare und unsichtbare. Es gibt zum Beispiel ein kollektives menschliches Bewusstsein, ich denke meine Arbeiten haben eine Relevanz um dort ihre Wirkung zu zeigen, aber das ist ein Thema, ein Rabbithole, auf das ich jetzt nicht weiter eingehen kann.
Ich denke reale Politik ist wie man sein Leben lebt und die Realität die man akzeptiert und nicht einen Stimmzettel in eine Urne zu werfen und 80 Jahre auf bessere Zeiten zu warten. Die Welt geht gerade unter und wir müssen uns ganz einfach selbst zu Helden machen, um effektiv helfen zu können. Dass das einfach ist habe ich nicht gesagt; aber ich habe denke gute Absichten, Nächstenliebe, Courage und Selbstdisziplin sind zum Beispiel Dinge, die uns auf den richtigen Weg helfen.

Als wir mal bei dir im Studio waren hattest du erzählt gehabt, dass du jetzt anfängst Musik zu machen. Was war der Beweggrund dafür?

Ich denke Musik ist ein viel direkteres Medium das den Hörer auf eine Reise mitnimmt, wie ein ausartender Audioguide in einem Museum bei Nacht. Es geht auch hier um Komposition und das Spiel mit Ästhetik und Kontrasten. Statt der Bildmaße hat man die Zeit die den Song eingrenzt, einen Anfang und ein Ende. Ein Bild ist unendlich. Mit einem Song kann man aber viel intensiver Emotionen greifbar machen, es ist wie Nachspeise, intensiv aber kurz, weil 3 Minuten ja keine Unendlichkeit sind. Aber es ist vielleicht ein besseres Mittel um zu verstehen und zu erzählen was so in einem passiert.

raw00081raw0019

Wann können wir mit dem ersten Album rechnen?

Das erste Album namens „Facing Janus“ von unserer Band Casiopaya sollte im ersten Quartal von 2020 rauskommen, wir sind noch am Mastering und Musikvideos drehen aber das Grundsätzliche ist fertig und war ein sehr schöner, magischer Prozess bei dem wir hauptsächlich Nachts gearbeitet haben, wie auch desöfteren beim malen.

Danke für deine Zeit, Greg!

Vielen Dank Bro es war mir eine Freude.

 

 

In Kooperation mit adidas Originals und MCM

Fotos: Daniel Mayer & Edy Pham / Styling: Moubsen / Models: Moubsen & Ella / Creative Direction: Moubsen & Daniel Mayer / Assistant: Aaron 

 

Hallo! Kommentiert mal!

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: