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Gönnen ist geil? – Das Konsumverhalten der westlichen Welt

Die Maximilanstraße München. Wer kennt Sie nicht? Vor allem in der Weihnachtszeit ist sie besonders beeindruckend und hier lässt es sich wunderbar entlang schlendern um noch die letzten Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Ein kurzer Glühwein bei den Gondeln am Kempinski Hotel und die Shoppingtour wird noch mehr zum Erfolg. Die typischen Geschenke der Münchner Schickeria? Natürlich! – die hippen Balenciaga Sneakers, die klassische Chanel Caviar Bag oder doch das Louis Vuitton Phone Case. Doch auf der Otto Normalverbraucher treibt sich gerne in Shopping Läden herum. Schnell noch das überflüssige Festtagsoutfit gekauft, das dann nach den besagten Tagen nicht mehr getragen wird. Konsum, Konsum, Konsum und hier wird zwischen teuer oder günstig kein großer Unterschied gemacht. In München geizt man nicht, was die Geschenke unter dem Baum angeht. Und auch das restliche Jahr über wird hier liebend gerne geshoppt was das Zeug hält. Besonders die junge Generation zieht beim ausgiebigen Geschenkekaufen mit und der ein oder andere geht dabei an seine finanzielle Grenzen, wenn nicht sogar darüber hinaus in die roten Zahlen.

Willkommen in der Konsumgesellschaft des 21.Jahrhunderts. Sowohl Frauen als auch Männer verprassen ihr wohlverdientes Geld um zu konsumieren und zu kaufen – von Kleidung, hinweg über Luxusaccessoires, Interieur, Schmuck, Uhren, Autos- der Materialismus hat kein Ende und der Trend, besonders bei jungen Leuten, geht bergaufwärts. Dabei spielen Job und Gehalt immer weniger eine Rolle und das Wort „Sparen“ gibt es im Wortjargon der heutigen Generation kaum noch.

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Doch wo hat der ganze Konsum ein Ende und welche Werte außer Lifestyle und Markenkonsum vertritt unsere Gesellschaft überhaupt noch?

Auf der Suche nach der Antwort zu meiner Frage, begab ich mich genau vor 3 Jahren auf eine Reise nach Kamerun. Damals vor allem für Familienbesuche und Social Work geplant, hatte ich mir fest vorgenommen, die westliche Welt hinter mir zu lassen und für mich selbst zu erforschen, welche Werte unsere heutige Welt prägt.

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Ab in den Flieger, kein Handy, kein Make-Up – 4 Wochen Zentralafrika, only me, myself and I. Die hübschen Kleider ließ ich auch in München zurück. Ich wollte mich voll und ganz auf eine neue Kultur einlassen und Inspiration suchen. Endlich angekommen wurde ich erstmal erdrückt von neuen Eindrücken, Gerüchen und Wahrnehmungen. Ich war fernab von der westlichen Welt und tauchte ein in eine andere Atmosphäre. Erster Eindruck: Warmherzigkeit und Liebe trotz der wenig vorhandenen Ressourcen die vor Ort gegeben waren. Ich war begeistert und dachte endlich das gefunden zu haben, wonach ich solange gesucht hatte – eine Welt in der Oberflächlichkeiten und Konsum weniger eine Rolle spielten.

Nach kurzer Eingewöhungszeit erwachte ich aus meinem Bann und wollte genauer forschen. Mein Schlüsselwort? WERTE! Ganz klar. Was ich fand? Feminine, stolze und imposante Afrikanerinnen, denen ihr Aussehen unglaublich wichtig ist. Das Fake-Chanel Täschchen gepaart mit bunten, pompösen, lebendigen Gewänder, die die Freude und Pracht der Kultur widerspiegelten. Schnell wünschte ich mir mein Make-up und meine Kleider zurück und war wieder gefangen im Kreis des Materialismus – zumindest mental. Allerdings der große Unterschied zur westlichen Welt: Trotz des unglaublichen Stolz der Afrikaner versuchte hier niemand mit materiellem zu beeindrucken oder gar zu profilieren.

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Wieder zurück auf deutschem Boden zog ich mein Fazit: zum Glück hatte ich die tieferen Werte gefunden, die ich gesucht hatte. Gastfreundschaft, Geborgenheit, weniger Beurteilung nach dem Äußerem, Streben nach Wissen trotz erschwerter Chancen und Möglichkeiten. Doch ich war nicht zufrieden und suchte weiter. Dabei gelangte ich zu folgendem Schluss:

Fakt: Wir leben in einer Konsumgesellschaft, egal an welchem Ort man sich befindest.

Hard words, aber die meisten von uns sind Konsumopfer, egal wie nachhaltig und reflektiert man lebt.

Ist es verwerflich? Natürlich NEIN! Wollen wir Nutella lieber als Nutoka? Selbstverständlich, JA!

Wie kann man damit umgehen? Ich denke die Gucci Tasche für 2000€ zu kaufen ist nicht das Schlimme, denn der Mensch ist von Natur aus oberflächlich veranlagt und geprägt und natürlich möchte jeder von uns, solange es im Rahmen des Ermesslichen liegt, sich schöne Ware gönnen.

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Wichtiger Punkt vielmehr hierbei sind Reflexion und Bewusstsein. Bewusstsein, dass nicht jedem auf der Welt die finanziellen Mittel gegeben sind um schnell mal einen Gürtel für mehrere hundert Euro zu kaufen. Reflexion, dass du dir jetzt die 10. überflüssige Designerhandtasche kaufst, dir aber vielleicht klar ist, dass du damit andere Dinge bewegen könntest.

Ich denke mit Reflexion im Leben finden wir alle den Eingang zu einem Tor und können unsere Sichtweise in vielerlei Hinsicht positiv verändern.

Sei das Konsumopfer, aber sei dir bewusst dass du es bist. Das macht es für die Umwelt und den Kreislauf des Materialismus zwar nicht besser, aber vielleicht fängt ja so das ein Umdenken bei Einigen von uns an und man ist sich wieder klar darüber, dass Ausstehen und Lifestyle zwar wichtig sind, allerdings im ganzen Sprudel des Social Medias und Kaufrausches nicht der Mittelpunkt unseres Lebens sein sollten.

Text: Christina Hirsch / Fotos: Blake Farber

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