MOUBSEN

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Serious Talk: Ein ernstes Gespräch mit Serious Klein

Wir leben heutzutage in einer Gesellschaft, in der Musik reiner Konsum geworden ist. Es ist, wie ich zu sagen pflege: „kein Soulfood mehr“. Gefühlt macht jeder Artist dasselbe; jeder bewegt sich in der gleichen Szene. Kein Wunder, dass die meisten Musiker ihren Drive verloren haben, sich in ihrer Kreativität frei zu entfalten, da es auch gar nicht mehr nötig ist. Die Fans werden es in jeder Hinsicht feier; und dabei ist es auch völlig egal, ob es der reinste Müll ist oder nicht.

Doch gibt es Jene, die es schaffen, sich in ihrem musikalischen Wesen individuell auszuleben – fernab von jedem Hype. Das sind die, die es schaffen, Klassiker zu kreieren. Sie verleihen der Musik eine universelle Note, die einen berührt, die einer genießt. Der aufgezwungene Fetischismus von Abhängigkeit und Allgemeinheit wird vermieden.

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Serious Klein ist einer dieser Künstler, der es geschafft hat, zeitlose Musik zu produzieren, ohne sich in einer bestimmten Nische zu positionieren. Er hatte vor kurzem seine erste Tour in Deutschland, die er in München startete und natürlich musste ich anwesend sein. Ich erinnere mich an die Zeit, als ich ihn vor vier Jahren in einem Nike Commercial sah, die von Highsnobiety vermarktet wurde. Serious Klein in einem Nike Tech Fleece Trainingsanzug – nun ist er auf dem besten Weg das Rap-Game komplett auf den Kopf zu stellen. 

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Serious Talk: Ein ernstes Gespräch mit Serious Klein:

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Hier ist schon meine erste an Frage an dich, die relativ eindeutig ist – Warum hast du angefangen Musik zu machen? Hast du den Shit studiert? 

Ne habe ich nicht. Und ich weiß nicht, irgendwie war es schon immer in meinem Leben, durch meine Mum und so. 

Die Story, die ich jetzt erzähle, ist die behindertste Story, die ich je erzählt haben werde. Ich werde sie niemals in irgendwelchen großen Interviews erzählen, aber ich hatte da mal eine Bauhaus Idee. Ich wollte einfach so sein wie Lil Bow Wow. Ich wollte schon immer so sein wie er. Deshalb habe ich angefangen zu rappen.

Echt?

Ja man. 

Zu Krank.

Ohne Witz, so hat meine Karriere angefangen. In dem Alter von 12 Jahren habe ich angefangen zu schreiben. Ich habe mir auch Cornrows und so einen Scheiß gemacht.

Du warst ja richtig in dem Vibe.

Ich war halt ein richtiger Fan.

Es hat sich ausgezahlt. Du bist deinen Weg gegangen, und jetzt bist du einfach nur crazy in dem, was du tust.

Ja man, voll.

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Ich folge dir schon seit einigen Jahren. Was hat sich in den letzten vier Jahren verändert? 

Die Dinge haben sich allgemein einfach verändert. Wenn du um dich herumguckst und überlegst, wir haben am Anfang krass gestruggelt. Alles ist irgendwie leichter geworden, und mehr Leute kommen auf einen zu.

Ich fühle, was du sagst. Ich mache zwar selbst keine Musik, aber ich bin auch kreativ, und dass ist ein Hustle.

Der Respekt ist auch ganz anders. Von außen sieht man nichts, aber intern passiert so viel krasser Scheiß. Und deswegen muss ich sagen, dass sich vieles verändert hat. Ich bin auch viel dankbarer geworden. Auch viel dankbarer um meine Leute. In der Industrie lernst du so viele Menschen kennen, die dir nur vorgaukeln, das beste für dich zu wollen, aber nur Müll hinter deinem Rücken erzählen. Das ist halt das Ding.

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Safe. Ich verstehe, was du meinst.

Kommen wir zur nächsten Frage, die echt kritisch ist. Als dein Dad verstorben ist – was ist in dir vorgegangen? Wie hast du den Schmerz verkraften können?

Hey guck mal. Wir sind so getrimmt, dass wir immer weiter machen. In dem Jahr haben viele meiner Freunde ihre Väter verloren. Dass man sich die Zeit nimmt, um es zu verkraften, um damit abzuschließen – so sind wir nicht veranlagt. Das heißt, du schleppst es mit. Früher gab es Momente, wo man zurückblickt, und man sich denkt: „Das tat echt weh“. Das ist wirklich passiert – du wirst deinen Kindern niemals deinen Dad vorstellen können. Oder wenn man heiratet – mein Dad wird nicht da sein können. Das wichtigste ist, dass man sich dem Prozess stellt. Ich muss damit dealen. Man kann es nicht einfach wegschieben – es wird einen einholen. Und mittlerweile ist es halt so krass, weil ich so viele Parallelen sehe. Ob’s jetzt Fashion ist oder etwas anderes. Mein Dad war auch voll fashionaffin. Ich verhalte mich auch voll wie er. Ich beobachte voll viel und so. Solche Geschichten – weißt du? 

Wäre dein Dad heute stolz auf dich?

Mein Vater wäre so ein Typ, der würde irgendwo auf dem roten Teppich chillen, und mir die Schau stehlen. Er hätte seine Up and Down Anzüge an, mit seinen Schuhen, und die haben immer gematched. Ich weiß nicht, wo er die hergeholt hat, und wie er das gemacht hat, aber er war immer fly.

Bei meinem Dad war es immer der low-key Flex, mit dem weiß-grünen Stan Smith, und einem grünen adidas Trainingsanzug. Das hat mich für immer geprägt.

Siehst du? Und das ist, was Väter machen: Unbewusst prägen sie dich einfach als Kind. Und irgendwann merkst du: „Alter – ich zieh mich an wie mein Dad“. Und das ist crazy. Richtig crazy.

Was machst du jetzt noch? Was machst du nach der Show?

Jetzt noch? Bro. Ich geh jetzt einfach schlafen. Ich bin auch teilweise krank. Ich hab nicht viel zu mir genommen – mein Immunsystem ist gerade richtig am kämpfen.

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Hast du dir auch verdient! Noch eine kleine Sache – du hattest erwähnt, dass München die erste Stadt ist, wo du die Tour begonnen hattest.

Ja man! Und ich war geschockt! Jeder sagt etwas anderes. Der eine sagt: „München ist eine Killer-Stadt – und voll Hip-hop affin“. Und der andere sagt: „München ist voll lame. Aber heute wurde mir das komplette Gegenteil gezeigt. Das war richtig sick.

Fotos: Tha Family Tree & Moubsen

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